* Mainz, Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum, Inv. Nr. B 00262

Festtagsepistolar aus St. Johannis

Bekannt als Cod. Kautzsch 8 - Pergament - II + 13 + IV Bl. (zeitgenössische Foliierung) - 31,3 x 23 cm - Mainz - um 1410; Ergänzungen und Überarbeitungen 1621

 

Schrift und Ausstattung

Textualis formata (Textura); rubriziert. 3 historisierte Initialen in Deckfarben und Gold zu Weihnachten und den Festen Johannes des Täufers: 1r F mit der Anbetung Christi durch Maria, 5r h mit Büstenbild des Täufers mit dem Lamm auf dem Arm, 7r e mit Enthauptung Täufers. Auf diesen Seiten Teilrahmungen durch Bordürenstäbe, die von den Initialen ausgehen. Öfters Drôlerien. Werkstattgleichheit mit B 00261.

Vor allen übrigen Lesungen Fleuronné-Initialen, blau-rot, zum Teil auch ockergelb bei violetter Zeichnung. Gelegentlich violett gezeichnete Drôlerien, z.B. 6v ein Bogenschütze und 9v ein Armbrustschütze beim Schießen auf Eulen.

Buchschmuck 1621 ergänzt: Iv vegetabile Bordüre um den zugehörigen Stiftungseintrag und darunter ein Wappen (Goldener Stern über zwei ebenfalls goldenen Kleeblättern vor Blau oder Schwarz), gehalten von Greifen, und ein geometrisch-florales Ornament. 10r-13v florale Bordüren in einer Art Wasserfarbenmalerei rund um den Schriftspiegel; gelegentlich mit Grotesken und Vögeln. Initialen hier jeweils vor goldenem Feld. Stilistisch übereinstimmend mit den Ergänzungen in B 261, wie dort ändert sich auch hier mit der Ornamentik der Stil der Rubrizierung.

 

Geschichte der Handschrift

Einträge Iv von Johannes von Köln ("Johannes de Colonia") 1621 und Iv und IV*v von Christian Andreas Wolf 1793 belegen die Anwesenheit der Handschrift im Stift St. Johannis in unmittelbarer Nachbarschaft des Mainzer Doms. Von Wolf zusammen mit B 00261 bei der Beschießung der Stadt 1793 gerettet und vermutlich bei seiner Flucht mit den Franzosen zurückgelassen. Die Auszeichnung beider Feste für Johannes den Täufer bestätigen eine Anfertigung für das Stift.

 

Literatur

Dahl, Johann Konrad: Alte Lectionarien und Codices Evangeliorum im Domstift zu Mainz befindlich, Manuskript o.J. (nach 1802), Nr. 7 (fol. 3r). [3r]

Kautzsch, Rudolf/Neeb, Ernst: Der Dom zu Mainz (Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Mainz. Bd. 2: Die kirchlichen Kunstdenkmäler der Stadt Mainz 1), Darmstadt 1919, S. 370.

Klauser, Theodor (Hrsg.): Das römische Capitulare Evangeliorum (Liturgiegeschichtliche Quellen und Forschungen 28), 2., um Verbesserungen und Ergänzungen vermehrte Aufl. (1. Aufl.: 1935), Münster i.W. 1972, S. LXXXVI, Nr. 78.

Vaassen, Elgin: Die Werkstatt der Mainzer Riesenbibel in Würzburg und ihr Umkreis, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 13, 1973, Sp. 1121-1428, hier Anm. 63 in Sp. 1145 [Zuschreibung an dieselbe Werkstatt wie das Lektionar Aschaffenburg, Hofbibliothek, Ms. 11.].

Vaassen, Elgin: Zur mittelrheinischen Buchmalerei um 1400. Handschriften in Aschaffenburg und Mainz, in: Mainzer Zeitschrift 70, 1975, S. 94-100, bes. 97-98, 100 [Datierung: um 1410-1420].

Krämer, Sigrid: Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz. Ergänzungsband 1), 3 Teile, Teil 3 unter Beteiligung von Michael Bernhard, München 1989-1990, Teil 2, S. 550.

Kotzur, Hans-Jürgen (Hrsg.): Dommuseum Mainz. Führer durch die Sammlung, bearb. v. Alexandra König, Diana Ecker, Bettina Schüpke, Mainz 2008, Nr. 4.

 

Abbildungen

Vorderdeckel [Kotzur 2008, S. 102; in Farbe]

 

Einband

Vorderdeckel datiert 1621; vermutlich von Wolfgang Palm geschaffen. Vergoldeter Silberguss vor Silberblechen. Vor einem von hohen Rändern umschlossenen Feld fast vollplastische Figur Johannes des Täufers mit Kreuzstab und Lamm auf dem Buch. Um ihn herum Ornamentstücke mit Knorpelwerk, vier davon mit Glasflüssen verziert. Der Rückdeckel rotes Leder mit einfachem Streicheisenmuster und vier Pflanzenstempeln über Holz.

 

Inhalt

Iv Aufwändiger Stiftungsvermerk des Dekans von St. Johannis und Propstes von St. Mauritius Johannes von Köln (Johannes de Colonia) für den Deckel und die Überarbeitungen.

IIv Neuzeitliches Register mit Angabe der Feiertage.

1r-13v Festtagsepistolar mit vermischtem Temporale-Sanktorale, 23 Feste beginnend mit Weihnachten (>In die nativitatis domini nostri ihes christi. Ad hebreos<). Heiligenfeste: >In purificatione beate marie< (Mariae Verkündigung), Johannes Evangelista, Leibliche Geburt Johannes des Täufers, Petrus und Paulus, Mariae Himmelfahrt, >In decollatione sancti Iohannis baptistae<, Mariae Geburt, Allerheiligen, Mariae Empfängnis, Mariae Heimsuchung, Maria Magdalena, Michael, Viktor, >De Presentatione beate Marie virginis<.
Unter den übrigen Festen 4r >In die sanctae trinitatis<, 4v-5r >De corpore christi<, 9v-10r >In dedicatione ecclesie< (zwischen Allerheiligen und Mariae Empfängnis).

VIIIv Selbstnennung von Dr. Christian Andreas Wolf, des Vikars an St. Johannis, Pfarrers von St. Christoph und Regens des Priesterseminars, als Bewahrer der Handschrift 1793. Darunter von ihm eine Verteidigung der republikanischen Verfassung.

 

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